Mozart und die Freimaurer

Kapitel 3

Am 24. Juni 1717 erfolgte die Gründung der Großloge „von London und Westminster“. 1723 wird die, von Reverend James Anderson verfasste „Constitution of the Free-Masons“ publiziert. Sie beinhaltet die „Old Charges“ (Alten Pflichten) die heute noch hochgehalten werden.

Im Jahre 1731 wird Franz Stefan von Lothringen (der spätere Gemahl von Maria Theresia) in den damals österreichischen Niederlanden in eine Loge aufgenommen. Trotz der Widerstände von Maria Theresia gegen die Ausbreitung des Freimaurertums gab es in den folgenden Jahrzehnten zahlreiche neue Logengründungen auf habsburgischem Gebiet.

Joseph II., der Sohn von Maria Theresia, verfolgte einen deutlich weniger strikten Kurs gegen die Freimaurer – im Gegenteil. Bis in die frühen achtziger Jahre des 18. Jahrhunderts sympathisierte er sogar mit ihnen, wenngleich er eine Aufnahme in den Bund aber ablehnte. Sicherlich auf Druck seiner Mutter Maria Theresia (die 1780 verstarb), aber auch durch den Druck der katholischen Kirche und durch ein immer stärkeres Misstrauen, das sich bei ihm aufbaute, erschien das „Handbillet Josephs II.“ (21.Dezember 1785 in der Wiener Zeitung) wodurch die Zahl der Logen ab 1785 stark eingeschränkt wurde. Dieses Misstrauen entsprang vielleicht sogar einer gewissen Angst vor dem zunehmenden Einfluss der Logen und einem persönlichen Machtverlust.

Die Wiener Logen waren weniger von „verwöhnten Adelskindern“ bevölkert (wie in Frankreich), vielmehr waren dort die größten Geister aus Politik, Kunst und Wissenschaften anzutreffen.

Text?Die Loge „Zur wahren Eintracht“ unter der Führung von Ignaz Edler von Born war wohl die bedeutendste Wiener Loge zu diesem Zeitpunkt.

Durch das Handbillet von Joseph II. reduziert sich das Logenleben auf zwei Logen mit maximal 360 Brüdern.

Mozart wird 1784 Freimaurer. Zu dieser Zeit befand sich die Freimaurerei nicht nur im Habsburgerreich in einer ernsten Krise. Andere Geheimgesellschaften („Rosenkreuzer“, „Asiatische Brüder“) tauchten allerorts auf und es kam nicht nur hierdurch auch immer öfter zu Streitigkeiten innerhalb der älteren Logen.

Mozarts Karriere bei den Freimaurern verlief „blitzartig“. Im Dezember 1784 wurde er in die Loge „Zur Wohltätigkeit“ aufgenommen, wo er nicht lange blieb. Im Januar 1785 wurde er zum Gesellen befördert (dies bereits in der „Bornschen“ Loge „Zur wahren Eintracht“) und ab Juni 1785 wurde er dort als Meister geführt. Mozart selbst war aber dieser Loge nie beigetreten. Die beiden Logen arbeiteten allerdings eng zusammen.

Die erwähnten „Bereinigungsaktionen“ von Joseph II. hatten zur Folge, dass in einer rasch organisierten Versammlung der Logenbrüder (24. Dezember 1785) – somit nur drei Tage nach der Veröffentlichung- beschlossen wurde, die Arbeit in nur zwei Logen fortzusetzen.

Die erste Sammelloge wurde „Zur Wahrheit“ genannt. In ihr gingen folgende Logen auf: „Zu den drei Adlern“, „Zum Palmenbaum“, „Zur wahren Eintracht“ und „Zu den drei Feuern“.

Diese vier Logen schlossen sich am 28. Dezember 1785 zusammen. Es kam aber sehr rasch zu Unstimmigkeiten und zur „Deckung“ am 8. Juli 1787. Die Loge „Zur Wahrheit“ wurde im April 1789 aufgelöst.

Die zweite Sammelloge wurde zunächst „Zur neugekrönten Hoffnung“ genannt. Sie bildete den Zusammenschluss von ebenfalls vier Logen: „Zur gekrönten Hoffnung“, „Zum heiligen Joseph“, „Zur Beständigkeit“ sowie Mozarts Loge „Zur Wohltätigkeit“.

1788 wurde der Zusatz „neu“ gestrichen. Der Name der zweiten Sammelloge lautete ab diesem Zeitpunkt „Zur gekrönten Hoffnung“ (somit der gleiche Name wie der einer Beitrittsloge. Dies führte in Folge zu einigen Verwechslungen bzw. Fehlinterpretationen).

Mozart trat- wie erwähnt- nie der Loge „Zur gekrönten Hoffnung“ bei, sondern kam über die Loge „Zur Wohltätigkeit“ und nach deren Auflösung in die Loge „Zur neugekrönten Hoffnung“.

1786 ging die liberale Phase der josephinischen Reformen zu Ende. Noch unter Joseph II. wurden die Aktivitäten der Logen weiter eingeschränkt und die Logen unter staatliche Kontrolle gestellt.

Nach dem Tod von Kaiser Joseph II. (1790) setzte unter der Regentschaft von seinem Bruder Leopold II. und dann 1792 verstärkt unter dessen Nachfolger Kaiser Franz II. eine regelrechte „Freimaurerverfolgung“ ein. 1793 teilten die zwei verbliebenen Wiener Logen ihre Selbstauflösung mit. Ab 1795 gilt die Freimaurerei in der gesamten Monarchie als verboten.

Nicht wenige von Mozarts Freunden und Logenbrüdern wurden in den Jakobinerprozessen von Wien (1794/95) zum Tode verurteilt.

Mozart blieb jedoch Zeit seines Lebens (und trotz der offensichtlich zunehmenden Gefahr, in der er sich befand) seiner Loge treu und trat offen für die Ideen der Aufklärung und seiner Logenbrüder ein.

Geradezu ignorant musste Kaiser Leopold II. das Verhalten von Mozart erschienen sein, als dieser – trotz der immer strikter werdenden Repressalien, die gegen die Freimaurer verhängt wurden – die Verherrlichung des Freimaurertums in seiner letzten Oper (eigentlich Singspiel) „Die Zauberflöte“ betrieb.

Der Erfolg war, trotz anfänglichem Boykott durch das Kaiserhaus, unter dem geschäftstüchtigen Theaterdirektor Emanuel (eig. Josef) Schikaneder- einem Logenbruder von Mozart- nicht mehr aufzuhalten. Die freimaurerische Symbolik in der „Zauberflöte“ ist allgegenwärtig.

Das wundervolle Singspiel schließt ohne Zweifel auf sehr freimaurerische Weise: „Es siegte die Stärke, und krönet zum Lohn die Schönheit und Weisheit mit ewiger Kron’.“

Mozart muss spätestens ab diesem Zeitpunkt bereits unerhörtem Druck ausgesetzt gewesen sein. Es gilt als erwiesen, dass einige Logenbrüder „die Lager wechselten“ und nun, auf der Seite der Habsburger, die eigenen „Brüder“ verrieten.

Text?

Vermutlich war dies auch der Grund, warum sich Mozart in seinem letzten Lebensjahr damit befasste, eine eigene neue Geheimloge namens „Grotta“ zu gründen. Und diese Loge sollte nicht in Wien aktiv sein. Belegt ist dies in einem Brief von Constanze Mozart vom 21.Juli 1800, in dem sie von der Absicht ihres 1791 verstorbenen Mannes berichtet.

Als das letzte Werk von  Mozart gilt die „kleine Freimaurerkantate“. Am 18 November 1791, wenige Tage vor seinem Tod, dirigierte Mozart höchstpersönlich die Uraufführung seiner Freimaurerkantate (KV 623), die er eigens zur Eröffnung des neuen Logentempels „Zur neugekrönten Hoffnung“ komponiert hatte.

Mozart verstarb am 5. Dezember 1791. Um seinen Tod ranken sich viele Gerüchte. Vieles deutet auf eine Ermordung.

Besonders pikant sind die immer wieder auftauchenden Gerüchte, die Freimaurer hätten die Schuld an seinem frühen Tod gehabt, angeblich als Bestrafung dafür, dass er in der „Zauberflöte“ ihre Rituale enthüllt habe, hätten sie ihn vergiftet. Diese Version kann als abwegig verworfen werden. Die Behauptungen stammen zudem aus einer späteren Zeit (ab 1820, also aus der Zeit von Metternich) aus Kreisen, die „dem Hof nahe standen“. Vielmehr scheint es, als ob der- seit 1795 ohnehin in der ganzen Monarchie verbotenen Freimaurerorganisation (die damit auch „mundtot” war)- seitens des Hofes oder „hofnaher Kreise“ ein Verbrechen angelastet werden sollte, das aber nach heutigen „offiziellen Versionen“ ohnehin nie stattgefunden hat. Denn nach diesen Versionen soll W.A. Mozart ja nicht durch „Fremdeinwirkung“ (wenn man die zuletzt vorgenommenen Aderlässe durch die behandelnden Ärzte – die zweifelsohne einen „schweren ärztlichen Kunstfehler“ darstellten – ausgliedert) sondern aufgrund einer plötzlich aufgetretenen Erkrankung verstorben sein.

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