Das Requiem Mysterium

Die Entstehungsgeschichte von Mozarts Requiem

Buch
AUSZUG aus dem Buch: Mozarts letztes Schloss – zu beziehen über den Shop von Schloss Stuppach.

Eine Vielzahl von Versionen bzw. Darstellungen existieren zur Entstehungsgeschichte des Requiems, der wohl berühmtesten „Totenmesse“ der Musikgeschichte. Mehr als 150 Bücher sind bisher alleine zum Thema „Mozarts Requiem“ geschrieben worden.

Wenn man die Entstehungsgeschichte von Mozarts Requiem genauer betrachtet, dann stößt man auch heute noch auf eine Fülle von Widersprüchen und Lücken in den Schilderungen darüber, wie die Auftragserteilung angeblich erfolgt sein soll.

Alleine schon die Unvollständigkeit und die unterschiedlichen Versionen und Darstellungen in den Berichten von Mozarts Ehefrau Constanze lassen viele Forscher aufhorchen. Damit ist bereits der perfekte Nährboden für Spekulationen geschaffen.

Viele Mozartforscher bauten bei Ihren Recherchen und späteren Publikationen sehr stark auf den Darstellungen von Constanze Mozart auf.

Wir wissen heute, dass Constanze Mozart mit ihren späteren Ausführungen und Schilderungen im Wesentlichen zwei Zielsetzungen verfolgte.  Einerseits sollte ihr verstorbener Gatte Wolfgang „in ein Licht gerückt werden“, welches sie alleine als „das angemessene“ erachtete. Hierdurch beabsichtigte sie als „Witwe Mozart“ eine besondere gesellschaftliche Anerkennung zu erfahren. Andererseits sollte ihr die erdachte Strategie zu maximalem Profit aus der Vermarktung des Nachlasses ihres Gatten verhelfen.

Dies wäre an und für sich noch keine verwerfliche Überlegung. Modernes Marketing würde im 21. Jahrhundert vermutlich eine Empfehlung abgeben, mit der Constanzes Pläne unterstützt respektive bestätigt würden.

Wir wissen heute aber auch, dass alle  Mozartbriefe von Constanze gesichtet und teilweise „zensiert“ worden waren. Etliche dieser Briefe wurden auch vernichtet. Unter anderem jene, die wahrscheinlich „sehr viel Licht“ in die Verbindung zwischen Graf Walsegg und ihrem verblichenen Gatten Wolfgang gebracht hätten.

Die erhaltenen Briefe wurden, nach Anleitung von Constanze durch ihren späteren Gemahl Georg Nikolaus Nissen, somit „bearbeitet“.

Ein wahrer „Pool“ für Fehlinterpretationen war von den beiden gezielt aufbereitet worden.

Allgemein anerkannt wird heute die Tatsache, dass die Auftragserteilung zu einem der berühmtesten Musikwerke der Geschichte von Reichsgraf Franz Anton Walsegg erfolgte.

Die Walseggs galten als eine der reichsten und auch am Wiener Hof bestens eingeführten Adelsfamilien im heute südlichen Niederösterreich. Etliche Mitglieder dieser Familie hatten sich als Offiziere im Kaiserreich in wichtigen Positionen einen ruhmreichen Namen erworben.

Graf Franz Anton Walsegg, dessen Großvater die Wallfahrtskirche in Maria Schutz am Semmering errichten ließ, war ein Musikliebhaber, der selbst auch musizierte und wöchentlich Salonkonzerte auf seinem Stammschloss in Stuppach abhielt.

Am 9. September 1786 heiratete Graf Walsegg seine große Liebe, Anna Magdalena Antonia Prenner Edle von Flamberg in der „Walsegg‘schen Patronatskirche“ von Maria Schutz am Semmering  in Niederösterreich.

Anna lebte mit ihren Eltern auf Schloss Niederfellabrunn. Die Familie besaß aber auch ein Stadtpalais in Wien, unweit jenes der Grafen von Walsegg.

Die Braut war am 15. September 1770 im elterlichen Schloss zur Welt gekommen und bei der Hochzeit erst knapp sechzehn Jahre alt. Franz Anton, ihr Gatte, zählte gerade 23 1/2 Lenze.

Die Familie des Grafen zeigte sich über diese Eheschließung wenig erbaut nicht nur wegen des zarten Alters der Braut, sondern vor allem aufgrund der Tatsache, dass Anna von Flamberg dem niederen Adel angehörte.

Das junge Paar hatte die Möglichkeit, sich auf etlichen Gütern bzw. Schlössern die im Besitz des Grafen standen, aufzuhalten. Sie wählten Schloss Stuppach als ihren Hauptsitz, der außerordentlich großzügig, geschmackvoll und modern ausgestattet war.

Graf Franz Anton Walseggs üppige Einnahmequelle bestand in den ergiebigen Gipswerken in Schottwien unweit von Gloggnitz am Fuße des Semmering. Schloss Stuppach war wohl auch ein Vorzeigeobjekt des „jungen Gips-Grafen“, da es von dessen Vater überreichlich mit Stuck an Wänden und Decken versehen worden war.

Der Vater verstarb übrigens im Jahr der Eheschließung seines Sohns mit der jungen Anna im Alter von 53 Jahren.

Somit hatte der, an Lebensjahren junge und kaum mit Erfahrung in der „Unternehmensführung“ ausgestatteten Graf, nicht nur die elterlichen Besitztümer zu übernehmen. Auch die lukrativen Gipswerke verlangten sofort nach seinem Einsatz. Hierbei konnte sich der junge Graf jedoch auf den erfahrenen Leiter der Produktionsstätten und Verkaufsverantwortlichen am Wiener Standort, Franz Anton Leitgeb, verlassen. Dieser war offenbar ein Mann mit vielen Talenten, denn neben den erwähnten Aufgaben hatte er auch eine wichtige Rolle als Mitglied im gräflichen Musikensemble übernommen. Walsegg dürfte ihm nicht nur starkes Vertrauen entgegengebracht, sondern ihn auch als Ratgeber sehr geschätzt haben.

Die hervorragenden Beziehungen zum Wiener Hof hatten der Familie Walsegg eine gut betuchte Klientel und prominente Gäste gebracht.

Es gab jedoch neben den Geschäftsbeziehungen noch einen anderen wichtigen Grund, der die Grafschaft veranlasst hatte, ein Stadtpalais in Wien am Hohen Markt Nr. 522 zu unterhalten. Graf Franz Anton Walsegg war, so wie auch Wolfgang Amadeus Mozart, Mitglied einer Wiener Freimaurerloge.

Auszug aus dem Buch „Mozarts letztes Schloss“ – herausgegeben von Schloss Stuppach.
In Österreich zu beziehen über den Stuppacher Schloss-Shop, über die Stadtgemeinde Gloggnitz sowie über die Buchhandlung Kral in Gloggnitz, den Buchladen „Zum Rauen Stein“ in Wien, sowie in der Schweiz in den GLOBUS Warenhäusern.