Der grosse Brand

Kapitel 3

Von 1935 bis 1939 diente das Schloss als Kinderheim für ausschließlich jüdische Kinder aus Wien. In den Sommerferien 1937 sollten 160 Kinder untergebracht werden. Doch wegen der in den Jahren grassierenden spanischen Grippe kamen nach dem ersten Turnus keine Kinder mehr.

Die spanische Grippe war eine weltweite Pandemie, die durch einen ungewöhnlich virulenten Abkömmling des Influenzavirus verursacht wurde und mindestens 25 Millionen Todesopfer forderte. In einer Bilanz in der Fachzeitschrift „Bulletin of the History of Medicine“ vom Frühjahr 2002 kamen die Autoren sogar auf die Zahl von 50 Millionen Todesopfer. Die Auswirkung der Pandemie ist damit in absoluten Zahlen mit dem Ausbruch der Pest von 1348 vergleichbar, der seinerzeit mehr als ein Drittel der europäischen Bevölkerung zum Opfer fiel.

Ab 1936 ging es mit dem Schloss und der Wirtschaft steil bergab. Nicht nur, dass der Schlossherr keine Mittel für das Schloss aufwendete, wurde das Schloss langsam seiner letzten Inhalte beraubt, kam unter die Zwangsverwaltung der Stadt Gloggnitz und hatte mehr als 60.000 Schilling Steuerschulden.

Dabei wurde vor der Zwangsverwaltung das Schloss durch die Pfandinhaber ausgeräumt, ohne dass das Steueramt auch nur einen Finger rührte!

Bald nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich wusste die NSDAP das Schloss zu nutzen. Von August 1938 bis Juni 1941 war die SA-Gruppenschule DONAU hier untergebracht. Dies war klarerweise nicht zum Vorteil des Schlosses, denn noch das letzte Inventar ging nun verloren.

Im Jahr 1945 war das Schloss Zufluchtsstätte für viele Geflüchtete und Vertriebene, die hier das Kriegsende erlebten.

Ab April 1945 diente es als Lazarett für die russischen Fronttruppen und nachher als Kaserne der Besatzungstruppen.

Den scheinbar finalen „Todesstoß“ bekam das Schloss 1945. Am 15. Oktober 1945 brach ein großes Feuer im Schloss aus. Es brannten der Dachstuhl des Südtraktes und das darunter liegende Stockwerk ab.

Der Brand wurde durch eine Fahrlässigkeit auf Seiten der russischen Truppen hervorgerufen, von denen jemand nach dem Kaminkehren auf dem Dachboden eine Kamintüre offen gelassen hatte, durch die, nach dem Anheizen der Küchenöfen Funken nach oben gelangt waren und sich dort entzünden konnten. Da das Feuer von den russischen Truppen nicht gelöscht werden konnte, musste dies von den Feuerwehren Gloggnitz, Stuppach und Köttlach in dreistündiger harter Arbeit übernommen werden. Weil die notwendigen Reparaturarbeiten nicht durchgeführt wurden, war der komplette Südtrakt unbewohnbar geworden.

In den nachfolgenden 40 Jahren stürzten die Decken ein, die Blechfassungen der Dachfenster fielen herab, Wind zerrte an den Fenstern und Türen und bald spross aus dem Rest des Dachgeschosses ein junger Wald von Laub und Nadelbäumen der sich seinen Weg über 4 Etagen gebahnt hatte.

Lediglich im Nord – & Osttrakt waren günstige Gemeindewohnungen in Verwendung. Diese hätten allerdings, nach heutigen Kriterien, sicherlich als „unbewohnbar“ gegolten.

Schloss Stuppach war somit weitgehend zur Ruine geworden und dem Verfall preisgegeben.