Berühmte Gäste

Kapitel 2

Als „Castello di Stuppach“ war Schloss Stuppach im 18. Jahrhundert weit über die Landesgrenzen bekannt und für viele hochgestellte Persönlichkeiten ein beliebter Treffpunkt und Aufenthaltsort. Die Walseggs empfingen Persönlichkeiten wie den Bischof von Rom, den Erzbischof von Wien, Gesandte von Spanien und der Republik Venedig, Minister des Hofes von Portugal, Kardinal Migazzi, seine Exzellenz Graf Cobenzl, Papst Pius VI, Kaiser Franz I von Lothringen sowie Prinzessin Isabella von Bourbon Parma (Enkelin Ludwigs des XV) und spätere Gemahlin von Kaiser Joseph II. Es wird berichtet, dass auch Franz Schubert und Napoleon auf Schloss Stuppach weilten. Ausserdem deutet vieles darauf hin, dass sich Joseph Haydn und W.A. Mozart (mehrmals) auf Schloss Stuppach aufgehalten haben. Dies aber als Freimaurerbrüder vom Reichsgrafen F.A. Walsegg.

Der Papst auf Stuppach

Text?

Eines der bedeutendsten Ereignisse auf Schloss Stuppach war sicherlich der Papstbesuch von Pius VI. am 21. März 1782. Der Papst, obwohl schon 65-jährig, sah sich zu der langen und strapaziösen Reise nach Wien zu Kaiser Josef II zu einer Aussprache genötigt.

Diplomatische Versuche hatten keinerlei Erfolg gebracht, den Kaiser zur Zurücknahme des so genannten Religionsfonds zu bewegen. Joseph II formulierte den Gedanken, dass der Staat der Verwalter der weltlichen Güter der Kirche wäre in einem Gesetz, dass das Vermögen aller Kirchen, Sakralbauten und Ausstattungen seines Territoriums in ein großes
Vermögen für die verschiedenen Erfordernisse des praktischen Gottesdienstes, im so genannten Religionsfond, zusammenfasste.

Der kirchliche Besitz jener Zeit war im Zuge der Gegenreformation beträchtlich gewachsen. In Wien war die Zahl der Klöster von 25  im Jahre 1660 auf 125 im Jahre 1700 angestiegen. 1770 belief sich die Zahl der Klöster in den österreichischen Erbländern und Ungarn auf 2.163 mit 45.000 Angehörigen.

Die Sakralbauten, der gesamte kirchliche Besitz, die Kapellen, die Abteien und Stifte und aller sakraler Zierrat wurden in ein neues Vermögen überführt. Der Aufhebungsbeschluss betraf 1782 zunächst die kontemplativen Orden. Der Religionsfonds, der aus dem Besitz der Klöster gebildet wurde, gab Josephs Politik gegenüber den Klöstern eine neue Richtung. Im Vordergrund standen „die wohlhabenden Prälaten“, die seit 1783 Hauptziel seiner Aufhebungsmaßnahmen wurden.

Text?

Der Kaiser selbst hatte Schloss Stuppach als Quartier für den Papst ausgewählt, da bereits seine Gattin Prinzessin Isabella von Bourbon-Parma kurz vor ihrer gemeinsamen Hochzeit auf Stuppach genächtigt hatte.
Am Morgen des 21. März 1782 überquerte ein Konvoi bestehend aus sechs Wagen den Semmering. An der Spitze ein sechsspänniger Wagen, in dem Papst Pius VI. Platz genommen hatte. Überall säumten Gläubige und Schaulustige die Straße und bestaunten den Konvoi. Der Papst wurde vom Wiener Erzbischof Kardinal Christoph Anton Migazzi empfangen.

Text?

Einschließlich aller Reisebegleiter (Koch, Leibarzt etc.) wurden 34 Zimmer für gut zwei Dutzend Begleiter und Würdenträger auf dem Schloss bezogen.
Eine besondere Ehre wurde der kleinen Schlosskapelle  zuteil, als Papst Pius VI. im Zuge seines Aufenthaltes eine Messe in der Schlosskapelle abhielt.

Die  Reise von Pius VI. nach Wien verlief allerdings erfolglos. Von 915 Klöstern (762 Männer- 153 Frauenklöster) im Jahre 1780 im deutschsprachigen Österreich (mit Böhmen, Mähren und Galizien) blieben 388 erhalten. Durch diese Maßnahmen wuchs der „Religionsfonds“ auf 35.000.000 Gulden.

Prinzessin Isabella von Bourbon-Parma

Marie Isabella von Bourbon-Parma erblickte am 31. Dezember des Jahres 1741 in Buen Retiro bei Madrid als erstes Kind des spanischen Infanten Philipp, dem späteren Herzog Philipp von Bourbon-Parma, und seiner Gemahlin Prinzessin Louise Isabelle von Frankreich das Licht der Welt.

Text?

Die Mutter von Marie Isabella war die älteste Tochter von König Ludwig XV. von Frankreich und aus politischen Gründen schon im Alter von zwölf Jahren mit ihrem Cousin, dem spanischen Infanten Philipp, verheiratet worden.

Am 31. Dezember 1741 brachte sie, erst 14 Jahre alt, ihr erstes Kind, eine Tochter namens Maria Isabella, auf die Welt. Die ersten sieben Jahre ihres Lebens verbrachte Maria Isabella in Spanien am Hof ihres Großvaters.
Während dieser Zeit entwickelte sich ein enges Vertrauensverhältnis zwischen Mutter und ihrer Tochter. Erst nach der Erhebung ihres Vaters zum Herzog von Parma im Jahre 1748 übersiedelte die Familie nach Parma. Die Ehe des Herzogpaares von Parma war auch in ihrem neuen Herrschaftsgebiet nicht glücklich und so blieb Marie Isabella zehn Jahre lang ein Einzelkind. Erst im Jahre 1751 schenkte die Herzogin von Parma wieder zwei Kindern, dem späteren Herzog Ferdinand von Bourbon-Parma und der späteren Königin Marie Luise von Spanien, das Leben.
Maria Isabella war sehr musikalisch und verbrachte ihre Zeit am Hof ihres Vaters mit der Perfektionierung des Violinenspiels. Zudem las sie mit Begeisterung die Schriften von italienischen und französischen Philosophen. Schon sehr früh zeigte sie einen Hang zur Melancholie und zu Schwermut und machte sich Gedanken über den Tod. Ihre psychische Lage verschlimmerte sich nach dem frühen Tod ihrer Mutter im Jahre 1759.

Im Jahr 1760 wurde sie als 18 Jährige mit dem österreichischen Thronfolger, dem späteren Kaiser Joseph II von Österreich, verlobt. Die Hochzeit fand am 6. Oktober 1760 in Wien statt.

Nur Tage vorher überquerte Marie Isabella den Semmering und wurde am 30. September 1760 auf Schloss Stuppach vom Gemahl der Kaiserin Maria Theresia, Franz Stefan von Lothringen, als Braut für den nachmaligen Kaiser Joseph II empfangen und nach Wien geleitet.